Hungarian National Philharmonic Orchestra

Die erste Konzert-Sequenz kommt er ohne Dirigierpult und Stab aus - da dominiert das Instrument, das François Leleux so meisterlich beherrscht wie wohl kein Anderer: die Oboe. Der Großmeister wird selber zum König, wenn er als Zugabe der Zauberflöte mit seinem Instrument “singt”.

 Oboen-König & Königin der Nacht. 

“Er ist wohl der Weltbeste auf diesem Instrument”, meint zur Pause im Großen Festspielhaus eine Frau, die das wohl besser bewerten kann, als 99,5 Prozent des sonstigen Publikums: Elisabeth Fuchs, selber Dirigentin und Orchesterchefin. Und gewiss über jeden Verdacht erhaben, in ihrer Noch-Funktion als künstlerische Leiterin der Kulturvereinigung ein Gefalligkeitsurteil in Sachen Klangmagie abzugeben. Leleux – das ist eine Oboenwelt für sich. Auch die Doppelfunktion als dirigierender Solist steht seiner instrumental-intuitiven Verschmelzung bei Mozarts Konzert für Oboe und Orchester (C-Dur, KV 314) nie im Wege, die Ungarische Nationalphilharmonie ist ihm kongenialer Klangkörper.

Oboen-mäßig auch ein unerwarteter Höhepunkt die Zugabe: da ersetzt das Schalmeien-Blasrohr die Singstimme der Königin, eine sinnliche Finesse. Pult und Stab kommen erst bei Franz Liszt auf Bühne und in die Hand: Le Preludes, eine einsätzige Symphonie. Und vor allem mit ihren prägnanten Trompeten-Fanfaren in dumpf-bedrohlicher Erinnerung, denn diese Passage war die Kennmelodie der Wochenschau in den Kinos des Dritten Reichs. Eine unsägliche Vereinnahmung einer großartigen Komposition, die Leleux genauso geschmeidig fordernd umsetzen lässt wie Schuberts 4. Symphonie, die Tragische. Wobei in kaum einer Phase das durchdringt, was man heutzutage unter Tragödie versteht. Es war eher als bipolares Pathos konzipiert.

Roland Ruess, Kronen Zeitung Salzburg